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Der Stoff, aus dem die Träume sind - Interview mit Pamela Hiltl von enemenemeins

Sich mit Stoff umgeben zu dürfen ist einfach wunderbar. Diese Vielfalt an Farben, Mustern und Strukturen hat einfach etwas Faszinierendes. Ein Grund dafür ist auch, daß hinter jedem Design ein Mensch steht, der ein bißchen von sich nicht auf Papier, sondern eben auf Stoff bringt.

Dank Firmen wie Stoffn oder Spoonflower ist es heutzutage einfacher denn je, seine eigenen Ideen auch als Stoff umzusetzen. Doch der oft gut gehütete Traum von vielen ist sicherlich die Königsklasse: einmal den eigenen Entwurf von einem bekannten Stoffproduzenten herstellen lassen.

Ein Mensch, der sich diesen Traum erfüllt hat, ist Pamela Hiltl von enemenemeins. Seit 2012 entwirft sie für Lillestoff und verzaubert uns seitdem mit ihren Designs. Ich habe Pamela im Januar beim DaWanda-Seminar von AnneSvea kennengelernt und freu mich riesig, daß ich ihr ein paar Fragen stellen durfte und sie uns einen Einblick in den Berufsalltag einer Stoffdesignerin gewährt. Herzlichen Dank dafür!

Stoffdesignerin Pamela Hiltl von enemenemeins

Du schreibst in deinem Blog, daß Stoffdesign ein langgehegter Traum von dir war. Hast du deinen Beruf bewußt gewählt, um Stoffe zu entwerfen, oder hat sich die Liebe zum Stoff erst später entwickelt?

Ich habe in Darmstadt Kommunikationsdesign studiert und hatte ganz klassisch den Printbereich im Auge: Gestaltung von Broschüren, Logos und solche Dinge. Zudem lag und liegt mir das Illustrieren und früher auch die Malerei sehr am Herzen. Als ich 2006 das erste Mal Mutter wurde, hat sich mein Interesse mehr und mehr verlagert. Irgendwann habe ich mir die Nähmaschine meiner Mama ausgeliehen und losgelegt. Das waren anfangs echte Katastrophen. Ich muss jetzt noch schmunzeln, wenn ich daran denke.

Ein Nähkurs hat dann so richtig den Knoten platzen lassen, aber was mich gestört hat, war der Mangel an bunten und kindgerechten Stoffen, gerade als Jersey. Ich habe Stoffhersteller angeschrieben und gefragt warum das so ist. Leider gab es nur die Aussage, dass es dafür keinen Markt gäbe und die Produktionsabläufe dem im Wege stünden. Das konnte ich einfach nicht glauben, denn hin und wieder waren mir schon diese tollen skandinavischen Stoffe im Netz untergekommen. Die Idee selbst eben diese Stoffe zu gestalten blieb mir immer sehr präsent im Kopf.

Und wann ist dieser Traum dann Realität geworden?

Ganz am Anfang stand die Zusammenarbeit mit schuy's. Andrea Schuy hatte die tolle Idee  einen Webband-Contest auszurufen und in Aussicht gestellt, das beliebteste Band produzieren zu lassen. Meine „Nachteulen“ haben damals tatsächlich gewonnen und schon bald konnte ich mein erstes eigenes Webband in den Händen halten.

Weil das Feedback auf das Eulenmotiv so außerordentlich gut war, ergab sich auch die Kooperation mit Kunterbuntdesign. Die „Nachteulen“ sind bis heute eine beliebte Stickdatei und der Gedanke auch Stoffe zu gestalten manifestierte sich immer mehr bei mir.

Nur wie und mit wem, das war mir lange nicht klar. Lillestoff war mir schon länger ein Begriff und irgendwann habe ich all meinen Mut zusammengenommen und Daniele eine Email geschrieben. Ich war schrecklich aufgeregt. Dass sich daraus eine so fruchtbare Zusammenarbeit ergeben würde, hätte ich in meinen kühnsten Träumen nicht geahnt. 

Webband Nachteule von Pamela Hiltl

Wie muß man sich Deinen Berufsalltag vorstellen: Bekommst Du thematische Vorgaben oder ist das alles sehr frei?

Ich habe das große Glück sehr frei vorgehen zu dürfen. Klar gibt es auch mal ein Thema, das in den Raum gestellt wird, oder eine Farbe, die gefragt ist. Aber ansonsten darf ich Vorschläge machen und kann mich austoben. Das ist ein echter Luxus. 

Wie ist der typische Ablauf von deiner Idee bis zum fertigen Stoff? Werden auch Entwürfe abgelehnt?

Oft habe ich eine Farbkombination, die mir besonders gefällt, oder eine kleine Skizze, notfalls auf dem Bon des letzten Supermarkteinkaufs. Und dann geht's eigentlich schon los. Die Skizzen werden etwas detailreicher und bald mache ich mich an die Umsetzung am Rechner.

Die Daten müssen natürlich auch druckbar angelegt werden, die Größe bestimmt werden, der Rapport (kleinste abgeschlossene Einheit eines Musters) muss stimmen und die Farben ausgesucht werden. Das kann an einem Tag passieren, aber auch mal zwei Wochen dauern. Manche Ideen schlummern auch länger im Skizzenbuch oder auf dem Rechner, weil die Grundidee gut ist, mir aber noch das bestimmte Etwas fehlt.

Ich finde Ideen, Motive und Farbkombis machen irgendwann „Plopp“ im Kopf. Da ist dann das Design stimmig ohne zu glatt zu sein. Die Farbigkeit hat ein bestimmtes Vibrieren bekommen und das ist dann der Moment, in dem ich weiß: „Ja, das ist es!“

Meine Entwürfe schicke ich an diesem Punkt an Lillestoff und fiebere dann aufs Feedback hin. Wir sind uns sehr einig, was gefragt ist, aber manchmal passt das Thema, das Motiv, die Farbigkeit nicht. Dann wird ein Entwurf abgelehnt. Das gehört auch dazu, für mich kein Problem.

Die Kommunikation mit Lillestoff läuft hauptsächlich via Mail. Schon erstaunlich, ohne das Internet wäre das alles gar nicht möglich bzw. wesentlich schwerer zu realisieren. Bevor ein Stoff wirklich freigegeben wird, gibt es noch einen Andruck um Farben und Motiv noch einmal zu überprüfen. Passt der, kann es losgehen.

Stoffe von Pamela Hiltl für Lillestoff

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben? Hast Du Vorbilder?

Ich lege Wert auf klare grafische Linien. Oft liegen meinen Illustrationen geometrische Grundformen zugrunde. Ich muss gerade sehr schmunzeln, denn ich lag Lillestoff eine ganze Zeit mit Dreiecken in den Ohren, aber die fand offenbar nur ich toll. Das wurde schon fast zum Running Gag. „Dreiecke? Hat wer Dreiecke gesagt?“

Ich denke und arbeite viel über die Farbigkeit. Für mich hat das fast etwas Mathematisches. Vorbilder habe ich nicht im direkten Sinn. Sollte ich auf Anhieb drei Designer nennen, die aber definitiv einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben, so würde ich Ingela P Arrhenius, Graziela und Helen Dardik nennen. 

Wie gehst Du mit Kreativblockaden um?

Take a Break… oder besser: Mach dir einen Kaffee. Dreh eine Runde durch den Garten, geh spazieren. Mach was ganz was anderes. Ich finde, das hilft immer. Nach ein paar Minuten, Stunden, manchmal erst nach Tagen wird's besser. Da muss man auch mal loslassen können. Unter Zwang fliessen die Ideen nicht so gut.

Arbeitszimmer von Pamela Hiltl

Wie sieht ein typischer Tagesablauf bei Dir aus?

Ich habe ja zwei Kinder im Alter von vier und sechs Jahren. Da startet der Tag erst einmal wie bei fast allen Mamas: gemeinsames Frühstück, Kinder in den Kindergarten bringen und dann ein zweiter Kaffee und eine kleine Blogrunde.

Mein Arbeitszimmer habe ich hier mit im Haus und Nähmaschine und Rechner stehen sich gegenüber. Entweder ich arbeite an meinen Entwürfen oder anderen Aufträgen oder ich setze mich an die Nähmaschine um für meinen Blog Verarbeitungsbeispiele zu nähen. Natürlich möchte ich den Lesern auch Lust auf einen Stoff machen und ein fertig genähtes Beispiel vor sich zu haben ist als Anstoss für die eigene Idee immer spannend. Das geht mir nicht anders.

Meist fliegt die Zeit nur so dahin und zum Mittagessen kommen meine Jungs ja schon wieder nach Hause. Gemeinsames Essen mit der Familie und dann wird's bei uns spannend, denn mein Mann und ich arbeiten gemeinsam. Jetzt muss erstmal je nach Auftragslage verhandelt werden, wer den Nachmittag arbeitet und wer sich um die Kinder kümmert. Ich bin sehr glücklich, dass wir für uns ein flexibles Modell gefunden haben, dass uns beiden ermöglicht an Beruf und Familie gleichermaßen teilzuhaben.

Tja und dann ist das wie bei allen Selbstständigen: Was tagsüber nicht geschafft wurde, muss eben noch abends erledigt werden. 

Was war das für ein Gefühl damals als Du Deinen ersten Stoff in den Händen hattest? Und wie ist das heute, wenn Du im Internet oder in Zeitschriften Bilder von Produkten aus Deinen Stoffen siehst?

Ehrlich? Als der erste Andruck meines ersten Stoffes „Bauernwiese“ kam, hab ich ein Tränchen verdrückt. Ich bin da ein sehr sehr emotionaler Mensch. Manchmal kann ich es selbst noch nicht glauben, welche tolle Chance ich geboten bekommen habe. Und wenn ich dann auch noch das tolle Feedback gerade in den Kommentaren meines Blogs lese, bin ich hin und weg.

Stolpere ich in einem Blog oder sonst wo im Internet über etwas, das aus meinen Stoffen gemacht wurde, füge ich es bei Pinterest hinzu. Inzwischen hat sich da ein tolles Sammelsurium an schönen Dingen aus meinen Stoffen angesammelt. Ich finde die Kreativität der Näherinnen beeindruckend. Da sind oft Ideen dabei, auf die wäre ich im Traum nicht gekommen. 

Stoff "Bauernwiese" von Pamela Hiltl

Du schreibst in einem Beitrag auf Deinem Blog, dass Du das 3. Lebensjahrzehnt toll findest, weil man zu sich selber findet und in sich ruht. Wo siehst Du Dich im 4. Lebensjahrzehnt? Was sind heute Deine Träume?

Ich plane immer nur kleine Etappen. So genau weiß ich das noch gar nicht. Ich weiß nur, dass ich auf dem Pfad weitergehen möchte, den ich letztes Jahr begonnen habe zu beschreiten. Wo er mich hinführen wird, werde ich sehen. Und darauf bin ich schon sehr neugierig.

Und zum Schluß noch ein paar Ergänzungssätze

Bei meiner Arbeit kann ich auf diese 3 Dinge nicht verzichten: Zettel und Stift, mein Grafiktablett.

Komplett abschalten... kann ich eher nicht.

Wenn mein Tag 48 Stunden hätte, würde ich... vermutlich die gleiche Aufteilung wie jetzt anstreben. Ich bin recht zufrieden mit meiner Work-Life-Balance.

Maßlos ärgern kann ich mich über... Menschen, die nicht um die Kraft des Lächelns wissen: es öffnet Herzen und Türen!

Meine Lieblingsfarbe ist... derzeit Koralle, aber auch zarte Pastelltöne.

Mein eigener Lieblingsentwurf von mir ist... im Moment „Leaves“, aber auch „GirliElephant“.

Mein größtes Erfolgserlebnis war... bisher die Veröffentlichung von „GirliElephant“ in der Ottobre 3/2013. Da bin ich quer durchs Zimmer gehüpft und lächle jetzt immer noch vor mich hin, wenn ich daran denke. Im Moment ist das wirklich ein Sahnehäubchen für mich… mit kunterbunten Streuseln!

GirliElephant von Pamela Hiltl in der Ottobre

Liebe Pamela, ich wünsche Dir noch ganz viele solcher Sahnehäubchen mit Streuseln, denn davon haben wir ja alle was! Herzlichen Dank, daß Du beim Interview mitgemacht hast!

Liebe Grüße!
Katharina

Bildnachweis: Pamela Hiltl, enemenemeins

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Kommentare

Was für ein tolles und informatives Interview! Und was für eine tolle Geschichte! Sie zeigt mir, dass ein bisschen Mut das ganze Leben verändern kann. Ich wusste nicht, dass Pamela die Designerin der tollen Stoffe ist. SUPER! Ganz herzlichen Dank für das Interview und fürs Teilen!
LG Zandi

Ein sehr schönes und warmes Interview! Und es macht Mut auf bessere Arbeitsorganisation mit größeren Kindern, wie schön, wenn sich Familie und Beruf so vereinbaren lassen! Liebe Grüße

Ach wie schön !!! Da lese ich gleich doppelt und dreifach...

Was für ein tolles Interview, absolut interessant zu lesen!
So eine berufliche Chance muss man einfach nutzen! Richtig toll!
Ich bin gerade auch dabei meinen Weg zu finden, was das Nähen von (Wohn-)Accessoires angeht und bin gespannt wie es weitergeht. Eine spannende Angelegenheit. :-)

Liebe Grüße!
Bine

wunderschön, was für tolle Seiten und Interviews man doch manchmal durch Zufall entdeckt, hier schau ich bestimmt mal wieder vorbei :)

LG
Claudi

Ein wunderbarer Artikel und ich persönlich finde es wunderschön Geschichten über die Menschen, die so wunderbare Stoffe entwerfen, zu lesen :-). Ich wünsche Dir weiterhin ganz viel Glück und uns allen noch traumhaft schöne Stöffchen! VIELEN DANK!

Wow- da habe ich mein absolut & oft verwendete Eulenborte entdeckt!!! Habe damit schon einige Armbänder gefertigt und jetzt habe ich dieses sympathische Hintergrund-Wissen. Tolle Idee, tolles Interwiew...

Ich finde es auch toll, wie man sich beruflich so verändern kann und dass das auch mit Kindern machbar ist. Macht auf jeden Fall Mut!

Deine Stoffe sind wirklich ein Traum! freu mich schon drauf, was du noch alles zauberst.

glg diana

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